Zuchtziele Bearded Collies vom Worblinger Hard - Bearded Collies vom Worblinger Hard

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Zuchtziele Bearded Collies vom Worblinger Hard

Gesunde standardgerechte Bearded Collies sowohl im Wesen als auch im Aussehen, dabei die Genvielfalt zu fördern, und somit Gesundheitsrisiken zu verringern, und das ohne Übertreibungen.

Was bedeutet das?
Gesundheit:
Absolute Grundvoraussetzung für einen Zuchthund. Es gibt angeborene (genetisch/erblich oder durch verschiedene Einflüsse in der Trächtigkeit) und im Verlauf des Hundelebens erworbene Erkrankungen. Als Züchter kann man die ersten beiden Formen bedingt beeinflussen; bedingt weil es viele verschiedene Erbgänge gibt. Erst 2005 wurde das Hunde-Genom entschlüsselt, das aus 39 Chromosomenpaaren besteht. Der Hund hat 20.000 Gene.
Für den Züchter bedeutet dies, Kenntnisse in Genetik und Epigenetik zu erlangen und sich dahin gehend fortzubilden.
Standard:
wird im Herkunftsland jeder Rasse estellt und beschreibt die charakteristischen Merkmale der Rasse. Er stellt das angestrebte allgemeingültige Zuchtziel dar. Dabei geht es keineswegs nur um die Schönheit sondern auch um gesundheitliche Aspekte. Ein Hund mit z.B. gravierenden Gebäudemängeln wird möglicherweise in seiner Bewegung eingeschränkt sein oder auch Schmerzen entwickeln. Fehlendes bzw. verschwindendes Pigment kann auf Krankheiten hindeuten.
Auf Ausstellungen wird überprüft ob dieses Zuchtziel erreicht wurde.
Jeder Züchter gewichtet die einzelnen Punkte des Standars für seine Zucht anders, was nicht heisst, dass der eine schlechter ist als der andere.
Ich für meinen Teil kann bei reinen Schönheitsfehlern (was immer auch im Auge des Betrachters liegt) Abstriche machen, beim Gebäude weniger. Man darf aber auch nicht vergessen, dass es um Lebewesen geht und deshalb um Individuen. Kein Lebewesen ist perfekt, jedes hat Stärken und Schwächen. Auch die Tagesform ist nicht immer die selbe. Deshalb ist es auch sehr schwierig, das Wesen eines Hundes im Rahmen einer Ausstellung zu beurteilen.

Bedeutung für den Züchter: er muss lernen seine Hunde möglichst objektiv zu betrachten. Natürlich liebt man seine Hunde, und das ist auch gut so, aber auch die eigenen Hunde sind niemals perfekt. Das ist auch gar nicht mal das Ziel, aber um die passenden Zuchtpartner auswählen zu können, muss man die Stärken und Schwächen seiner Hunde kennen. Objektivität hat nichts damit zu tun ob ein Züchter zu seinen Hunden steht oder nicht, ganz im Gegenteil: nur dann wird er im Sinne der Hunde Entscheidungen treffen können.
Wesen:
(Weidt,
H., Berlowitz, D., 2001, S. 40):
„Das Wesen des Hundes ist die Gesamtheit seiner angeborenen und
erworbenen Verhaltensweisen, sowie seiner augenblicklichen inneren
Zustände, mit welchen er auf die Umwelt reagiert.“

Das Wesen eines Hundes wird durch Domestikation, Gene und Selektion beeinflusst, Umwelteinflüsse auf die Entwicklung des Welpen, Lernprozesse und Alter. Die Erblichkeit von Wesenseigenschaften liegt im unteren Bereich, weshalb es schwieriger ist ein gutes Wesen genetisch zu beeinflussen als das äussere Erscheinungsbild (Typ).
Domestikation:
Hier werde ich jetzt nicht den ganzen Weg der Domestikation beschreiben denn dazu gibt es genügend Informationen in Literatur und Internet.
Je länger auf bestimmte Eigenschaften selektiert wird, desto gefestigter sind diese. So ist es nicht verwunderlich, dass die Hüteveranlagung in heutigen Bearded Collies weitgehend noch vorhanden ist.
Umwelteinflüsse auf die Entwicklung der Welpen, Lenprozesse:
Einflüsse können unter anderem sein: Medikamente, Hormone, zusätzlicher Stress, Ernährung, Erfahrungen, Brutpflegeverhalten der Mutter, Geborgenheit, Rudelverhalten etc.
Hier sind wir ganz klar bei der Verhaltensbiologie Durch biochemische Vorgänge (Stichwort: Epigenetik) können Gene ab- oder zugeschaltet werden (vereinfacht ausgedrückt). Diese Vorgänge laufen schon während der Trächtigkeit ab. Eine instinktsichere Hündin ist dabei Gold wert: alles zwischen Bedeckung (Duldungsverhalten) und Welpenaufzucht hat direkten Einfluss auf die Welpen.  Und auch der Züchter ist hier gefragt, nämlich indem er für die richtige Ernährung sorgt, die Fitness der Hündin, geeignete Afzuchtmöglichkeiten und auch ein gut funktionierendes Rudel mit intaktem Sozialverhalten untereinander (sofern ein Rudel vorhanden ist: Rudel ist hier umgangssprachlich zu verstehen).
Das Erleben und Erfahren seiner Umwelt beginnt für den Welpen also lange bevor er geboren wird und setzt sich mit der Geburt fort.
Wärme- und Kälteempfinden zusammen mit dem Geruchssinn leiten ihn z.B. an die Milchbar. Dieses Ziel selbständig zu erreichen fördert seine Fähigkeit zu lernen, Lösungsstrategien zu entwickeln. Dies stellt jedoch nur ein Beispiel von vielen dar.
Für uns ist es immer wieder sehr interessant, wie die einzelnen Welpen kleine Aufgaben bewältigen. Der eine geht voran wie ein kleiner Bulldozer und schiebt kleine Hindernisse (etwa ein im Weg liegender Welpe, eine Falte im Laken) einfach auf die Seite, der nächste versucht sie zu umgehen, wieder ein anderer klettert darüber hinweg, der nächste setzt sich erst mal hin und versucht durch Schreien Hilfe zu bekommen. Nimmt man jetzt den kleinen Schreihals hoch und legt ihn an der Milchleiste an, ist sein Erfolgserlebnis: "durch Schreien komm ich an mein Ziel". Und das begreifen die kleinen Racker ganz schnell. Hier fängt der Welpe an Verhaltensmuster zu entwickeln, die ihn sein ganzes Leben begleiten können und es können Gene die dafür nicht unbedingt benötigt werden ausgeschaltet werden, andere werden aktiviert. Mittlerweile weiss man, dass epigenetische Veränderungen des Erbgutes weiter gegeben (vererbt) werden können.

Bedeutung für den Züchter: Der Welpenaufzucht kommt eine größere Bedeutung zu als bisher angenommen. Man muss sich Gedanken machen, wie man diese wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Welpenaufzucht nutzen kann. Hier ist ein sehr interessanter Artikel darüber.
Zuchtziel Schönheit und Leistung:
Dazu gibt es zu sagen, dass Hundesport (Agility, Obedience, etc.) keine rassetypischen Eigenschaften des Bearded Collies sind, denn diese Sportarten kann man mit vielen anderen Rassen auch betreiben. Es gibt Rassen die dafür geeigneter sind, zu denen auch viele Hütehunde gehören.
Um also Bearded Collies auf ihre rassetypischen Eigenschaften zu prüfen, käme nur ein Hüteanlagentest in Frage. Um diese Anlagen wirklich zu beurteilen, müsste man diesen Test mit Beardies, die noch nicht an Schafen trainiert sind durchführen. (Dieser Satz sorgt wohl für einige Diskussionen, evtl. ist das missverständlich ausgedrückt: Wenn ich meinen Hund nicht an Schafen ausbilden will, aber eine offizielle Bescheinigung / einen offiziellen Bericht darüber haben möchte, muss ich meinen untrainierten Hund zu einem Test vorstellen (Betonung liegt hier auf untrainiert, d.h. nicht, dass der Hund noch nie Kontakt mit Schafen gehabt haben soll), schon alleine aus dem Grund, dass ich als Hütelaie ohne eigene Schafe diese Veranlagung gar nicht testen kann. Bei einem an Schafen ausgebildeten Hund gehe ich davon aus, dass die Anlagen vorhanden sind. Man bildet ja nicht zuerst den Hund aus und schaut dann ob er die nötige Veranlagung dazu hat))
Solche Anlagentests werden hin und wieder auch im CfBrH angeboten, so auch vor Kurzem (Mai 2016). Leider war es mir nicht möglich daran teilzunehmen weil ich anderweitige Verpflichtungen hatte. Ich hoffe, dass ich das einmal nachholen kann.
Eine Frage ist: inwiefern ist es nötig den Hund an Schafen auszubilden und in wiefern hat es Auswirkungen für die Schafe. Man darf den tierschutzrechtlichen Aspekt dabei nicht vergessen, denn auch Schafe sind Lebewesen. Bei offiziellen Wettbewerben wird durch einen Amtsveterinär der Gesundheitszustand der Schafe kontrolliert, auch müssen sie regelmäßig ausgetauscht werden.
Für mich persönlich macht die Hüteausbildung dann Sinn wenn ich meine Hunde für die Arbeit an eigenen Schafen brauche. Schafe braucht man um Land zu bewirtschaften, Landschaftspflege zu betreiben, auch um seltene Schafrassen vor dem Aussterben zu bewahren etc. Man braucht sie nicht, um seinem Hund Beschäftigung zu bieten.
Hinzu kommt, dass es immer weniger Schafhaltung bzw. Viehaltungen gibt und so der arbeitende Hütehund leider seiner Aufgaben beraubt wurde. Viele Hütehund-Rassen wären schon ausgestorben, würden sie sich nicht großer Beliebtheit als Familienhunde erfreuen.
Bearded Collies kann man auf viele verschiedene Arten beschäftigen, ob man das im Hundesportverein tut, und sich an Turnieren mit anderen misst oder ob man das in freier Natur tut, ohne Prüfungen abzulegen, ist dem Hund selbst dabei völlig egal.
Eines muss aber klar sein:
Ein jeder Welpe ist einzigartig, keiner ist gleich, jeder entwickelt seine eigene Persönlichkeit und jeder hat ein Recht auf ein Zuhause in dem er geliebt wird, in dem seine Familie sich gerne mit ihm beschäftigt und seinen Bedürfnissen gerecht werden kann. Dass ein Bearded Collie Beschäftigung braucht ist selbstredend.
Und ob ein Hund sich zum Sporthund entwickelt oder als Familienhund zufrieden ist, hängt zu einem großen Teil davon ab worauf er trainiert wird und auch wie gut sein Hundeführer ist.
Das Wohl des Hundes muss stets vor den Zielen des Menschen stehen, seien diese Ziele sportlicher, züchterischer oder ausstellerischer Erfolg.
Und letztendlich bedarf es auch einer gehörigen Portion "gesunden Menschenverstandes".
Quellen sind verschiedene Bücher:
Rassehundezucht von Irene Sommerfeld-Stur
Ein guter Start ins Hundeleben von Udo Ganßloser und Petra Krivy

sowie meine eigenen Erfahrungen und angeeignetes Wissen.
copyright@A.Gaubatz
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